CREATIVE STORY

Fondation Maeght

Fondation Maeght: Wenn die Natur nicht Kulisse, sondern Teil der Architektur ist und wenn Licht selbst zum Gestalter wird.
Wenn die Natur nicht Kulisse, sondern Teil der Architektur ist und wenn Licht selbst zum Gestalter wird: Mit der 1964 eröffneten Fondation Marguerite et Aimé Maeght entstand ein Ort, an dem Kunst nicht nur gezeigt, sondern gelebt werden kann – ein Raum für moderne und zeitgenössische Ausdrucksformen, für Begegnung, Arbeit und Austausch unter Künstlern. Der spanische Architekt und Stadtplaner Josep Lluís Sert schuf hier – gemeinsam mit Joan Miró und anderen künstlerischen Weggefährten – für die vom Galleristen- und Sammler-Ehepaar Maeght  gegründete Stiftung ein Gebäudeensemble, das durch seine fein abgestimmte Abfolge von Volumen, Übergängen und offenen Zonen neue Maßstäbe in der Ausstellungsarchitektur der Moderne setzten sollte.

Als Modernist übersetzte er die Formen eines mediterranen Dorfes in eine neue Sprache – Innen- und Außenräume, die sich gegenseitig durchdringen, die Bodenständigkeit der Materialien, die stillen Höfe, in denen sich das Licht sammelt. Auf einem Felssockel ruhend, erhebt sich der Bau aus Beton und Glas wie eine behutsam gesetzte Form in der Landschaft. Im Inneren entfalten sich Räume von zurückhaltender Klarheit: Geradlinige Baukörper, weiße Wände und großzügige Öffnungen, durch die die Landschaft eindringen kann. Das natürliche Licht, vom Dach gelenkt und sanft reflektiert, durchzieht die Räume und verleiht ihnen eine schwebende Helligkeit.

Der Katalane Josep Lluís Sert, dessen Einflüsse von Gaudí bis zum Bauhaus reichen, arbeitete in den 1920er Jahren an der Seite von Le Corbusier, bevor er 1953 die Nachfolge von Walter Gropius als Dekan der Graduate School of Design an der Harvard University antrat. Sein Werk verbindet Rationalität und Poesie – eine Haltung, die in der Fondation Maeght ihre vielleicht schönste Form gefunden hat.

Die in der Nähe von Nizza liegende Fondation Maeght beherbergt mit über 10.000 Werken (von den nur ein kleiner Teil gezeigt werden kann) eine der größten Sammlungen moderner Kunst in Europa mit Gemälden, Skulpturen, Zeichnungen und grafischen Werken renommierter Künstler des 20. Jahrhunderts. Die Bestandsliste liest sich wie das Who’s who der Klassischen Moderne: Arp, Bonnard, Braque, Calder, Chagall, Giacometti, Kandinsky, Hepworth, Léger, Miró u. v. a. Die Sammlung umfasst auch Werke von zahlreichen Nachkriegs- und zeitgenössischen Künstlern. 2024 wurde dem ursprünglichen Bau unterhalb des Ciacometti-Hofs eine Erweiterung mit Galerie-, Konferenz- und Veranstaltungsräumen hinzugefügt.

Fondation Marguerite et Aimé Maeght – Saint-Paul de Vence, Frankreich  | Ausstellung | Architekturfotografie © Alexander Brüll, 2025